Mrz 27 2019 00:20:02
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Neuanfang in Hannover
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Leseprobe (2)

Neuanfang in Hannover (Sseiten 61 – 64)

Patrick ging leicht fröstelnd, die Hände tief in seiner Jackentasche vergraben, die Straße runter und erreichte in wenigen Minuten die Wohnung. Sein Atem stockte, als er sah, dass das Licht in der Küche noch brannte. Verflucht, dachte er, hoffentlich hat Vater nur vergessen das Licht auszumachen. Wenn der noch wach ist, gibt das einen Mordsärger und genau den wollte Patrick nicht haben. Leise schloss er die Hauseingangs- und Wohnungstür auf. Es herrschte Stille in der Wohnung. Ohne das Flurlicht an zu machen, schlüpfte Patrick aus den Schuhen und seiner Jacke und wollte gerade den Flur entlang in sein Zimmer schleichen, als plötzlich das Flurlicht anging.

Patricks Vater stand, mit Jogginganzug bekleidet, im Flur. Einen kurzen Moment schaute er wortlos seinen Sohn an. Der Blick ließ keinen Zweifel aufkommen, Herr Norman war innerlich am kochen und Patrick wusste, wenn er nicht einen noch größeren Zoff riskieren wollte, war es besser vorerst zu schweigen und das Donnerwetter über sich ergehen zu lassen. Ruhig, mit ernster Stimme, der man anmerkte, dass Herr Norman mit größter Mühe versuchte sich zu beherrschen, eröffnete er das Gespräch.

“Ich glaube mich daran erinnern zu können, wir hatten ausgemacht, dass Du spätestens um 01.00 Uhr zu Hause bist und nicht erst morgens, gegen halb vier. Dass ich darüber nicht erbaut bin, wenn Du Dich an gemeinsam getroffene Vereinbarung nicht hältst, brauche ich ja wohl nicht zu betonen. Ich weiß ja nicht, mit welcher Sorte von Freunden oder Kumpels Du Dich bis in die Morgenstunden herumtreibst. Hier jedenfalls existieren noch Regeln und an die hast Du Dich zu halten, ob Dir das passt oder nicht! Da Du der Meinung bist, dass man Absprachen nicht einzuhalten hat, kann ich mich auch nicht mehr daran erinnern, dass wir Thorsten für die Tage nach Weihnachten eingeladen haben und ich Dir erlaubt habe an Sylvester zu Thorsten zu fahren. Auch habe ich keine Lust die Nächte durchzuwachen um abzuwarten, ob mein Herr Sohn den Weg nach Hause findet. Im Gegensatz zu Dir, Patrick, muss ich die Woche über fit sein und dafür brauche ich etwas Schlaf. Wie man an Deinen letzten Klassenarbeiten sieht, kannst Du es Dir ja leisten, in der Schule den fehlenden Wochenendschlaf nachzuholen. Eine andere Erklärung finde ich jedenfalls nicht, für die fünf in Englisch und die vier in Deutsch. Mehr habe ich Dir nicht zu sagen, Patrick. Wenn Du für die Woche etwas zu essen im Kühlschrank vorfinden möchtest, musst Du morgen einkaufen gehen, und falls Du wieder saubere Wäsche wünschst, empfehle ich Dir, Dich mit der Gebrauchsanweisung von Waschmaschine, Trockner und Bügeleisen zu befassen.”

Patrick wollte ja erst das Donnerwetter wortlos über sich ergehen lassen. Aber das war zuviel!

“Was soll das? Ich weiß, ich bin zu spät! Na und? Was hat Dich das zu interessieren? Du kannst Dich doch schlafen legen, wenn Du müde bist. Für mich musst Du nicht aufbleiben. Ich finde auch alleine den Weg ins Bett!”

Herr Norman strich sich mit der rechten Hand über die übermüdeten Augen und durchs Haar, verwundert über das, was Patrick auf seine Moralpredigt erwiderte. Dies konnte nicht nur an der Pubertät liegen, dass die gute Wellenlänge, die beide zueinander besaßen, immer höheren Spannungen ausgesetzt wurde. Am liebsten würde er ihn jetzt übers Knie legen und nach alter Manier den Hintern versohlen. Ein entsprechendes Kribbeln verspürte er in seinen Händen. Doch eins hatte er sich, seit Patricks Geburt, geschworen, wenn Worte nicht mehr helfen, dann können diese nicht durch körperliche Züchtigung ersetzt werden und an dieses Prinzip hatte er sich, bis auf die Ohrfeige auf der Veranda, gehalten. Während ihm das durch den Kopf schoss, ging Patrick an seinem Vater vorbei, blieb kurz vor seiner Zimmertür stehen, drehte sich um und sagte:

“Da fällt Dir nichts mehr zu ein, und dafür hast Du so lange in der Küche gesessen und die Predigt, die Du mir halten wolltest geübt? Magere Ausbeute! Ich gehe jetzt jedenfalls schlafen. Ich will keinen Krach mit Dir, nur ich mach mein Ding und Du machst Dein Ding!” Ohne ein weiteres Wort zu sagen, ging Patrick in sein Zimmer.

Wutentbrannt folgte Herr Norman:

“Sag mal, Du merkst wohl überhaupt nicht mehr den Unterschied zwischen Recht und Unrecht?! Ich an Deiner Stelle, würde in solchen Situationen verdammt kleine Brötchen backen und nicht kluge Sprüche kloppen. Ich glaub Du spinnst!”

Wutschnaubend verließ Herr Norman das Zimmer, wobei die aufgestaute Aggression sich in der lautzuknallenden Tür entlud. Patrick, der sich schon ausgezogen hatte, sprang aus seinem Bett, öffnete die Tür und rief seinem Vater, der wieder in die Küche gehen wollte, hinterher. ”Die Tür kann man auch leise zu machen!”, was Patrick dann auch tat.

Herr Norman, der seine Wut nun nicht mehr im Griff bekam, schoss förmlich in Patricks Zimmer, riss die Bettdecke, unter die Patrick geschlüpft war, zurück, griff mit seiner rechten Hand nach Patricks linken Arm, zog ihn an diesem hoch und versetzte, mit seiner Linken, ihm eine so kräftige Ohrfeige, die Patricks Wange sofort knallrot anlaufen ließ. Den linken Arm wieder loslassend, plumpste Patrick mit seinem Oberkörper wieder zurück auf die Matratze.

Vor Wut nahezu schäumend sprang Patrick, nur mit Shorts bekleidet, aus seinem Bett, baute sich direkt vor seinem Vater auf. Seine Muskeln waren zum zerreißen gespannt, man hätte meinen können, dass er sich auf seinen Vater stürzen wollte. Mit nur mühsamst beherrschter Stimme, kam es zischend über seine Lippen: “Mach, dass Du raus kommst!” und zeigte, mit seinem ausgestreckten rechten Arm, zur Zimmertür.

“Schlag doch zu, dann ist wenigsten der letzte Funke an Respekt weg und unsere Fronten ein für allemal geklärt”, erwiderte Herr Norman bestimmend.

Fast brüllend, stieß Patrick hervor:

“Vater! Bitte geh! Lass mich in Frieden!”

Doch Herr Norman machte keine Anstalten das Zimmer zu verlassen, verzweifelt über die Sturheit seines Vaters drehte Patrick sich geschwind zur Seite, machte zwei Schritte auf seinen Schreibtisch zu, schnappte sich den Stuhl und warf diesen mit aller Kraft in die, von seinem Vater aus gesehen, gegenüberliegende Zimmerecke, wo er krachend, in der zersplitternden Kommode, landete.

“Tolle Vorführung, mach nur so weiter, Patrick, dann trennen sich unsere Wege, schneller als Dir lieb ist.” gab Herr Norman sehr ruhig, scheinbar völlig unberührt, über die Zerstörungswut seines Sohnes, von sich und verließ, die Zimmertür offen lassend, den Raum.

Patrick knallte nun selber die Tür zu, warf sich aufs Bett und weinte leise in sich hinein. Er wusste, dass er völlig im Unrecht war. Er hasste sich selber, wenn er den starken Mann markierend, andere bis zur Weißglut treiben konnte, ohne dabei seine eigene in sich aufkommende Wut vernünftig abladen zu können. Wenn es sich hierbei nicht um seinen Vater gehandelt hätte, hätte er sich am liebsten geprügelt um genau die Wut, die er über sich selbst empfand, aus sich heraus schlagen zu können. In dieser aufgewühlten Stimmung fand Partrick keinen Schlaf und wälzte sich von der einen auf die an andere Seite.



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